„Es gibt noch etwas, worüber ich mir Dir sprechen muss, Mama.“
„Sag es mir, mein Kind!“
„Du weißt, dass ich meinen deutschen Ingenieur anbete.“
Anna lächelte. „Ich weiß.“
Celeste war unruhig. „Ich vertraue ihm blind. Wirklich, Mama! Die widerborstige Celeste Williams hat sich in unglaublicher Weise an diesen Mann gekettet. – Ich kann es kaum fassen, dass mir dieser Mann begegnet ist! – und der dazu dermaßen hartnäckig sein Ziel verfolgt hat! Ja, Mama, er hatte sich in den Kopf gesetzt, mich kennenzulernen, er hat es getan – obwohl es eigentlich bereits zu spät war. Und er hat mir ganz flink einen Antrag gemacht, kaum dass er mir den Hof machte! – Damit ihm ja keiner zuvorkommt.“ Sie seufzte tief. „Eigentlich ist es absolut himmlisch.“
Geduldig hatte Anna den Liebesbeschwörungen ihrer Tochter zugehört. „So mein Schatz, wo ist der Haken?“
Leidend sah Celli ihre Mutter an. „Dass ich mich von euch trennen muss.“
„Aber du trennst dich doch nicht von uns.“
Gedankenverloren und mit schmerzlich zusammengezogenen Augenbrauen sah Celeste vor sich her. „Weißt du, Mama, Dresden ist weit …“.
„Bist du nicht ein abenteuerlustiges Mädchen? Bist du nicht die Tochter des wagemutigen Kapitän Alexander Williams?“
Celeste lachte. „O, ja, das bin ich!“ Sie dachte eine Weile nach, bis es aus ihr hervorsprudelte. „Ich bin unglaublich neugierig auf Dresden und auch auf Würzburg! Ich werde mit ihm die Stadt erobern und dann …“. Sie lachte frech. „… werden wir uns in unsere hübsche kleine Wohnung zurückziehen und uns dem Willen Gottes fügen!“
„O, Celli! Niemals hätte ich gedacht, dass ich solch eine Schlangenbrut an meinem Busen nährte!“
Celeste eilte zur Mutter auf das Sofa und schmiegte sich an sie. „Mamachen, sei nicht traurig“, flüsterte sie. „Ich spreche nur aus, was jeder empfindet – wenigstens die, die normal im Oberstübchen sind. Oder nicht?“
„Celeste, versprich mir, dass du niemals vor anderen so redest!“
Celli lachte. „Beruhige dich! Nur dir vertraue ich mich so an, das ist die Wahrheit! – Und Florian werde ich mich natürlich ebenso anvertrauen … sonst würde ich in der Ferne nicht überleben können … oder, Mama?“
„Da hast du recht, meine Kleine. Du brauchst jemanden, mit dem du über alles sprechen kannst.“
„Ich weiß, dass du Onkel George auch alles anvertraust, ihr seid mein Vorbild – von wegen Schlangenbrut an deinem Busen genährt!“
„Du weißt, was ich meine, Celeste.“ Die war bereits wieder in Gedanken versunken und hörte die Mahnung der Mutter nicht. „Um eines möchte ich jedoch bitten, Celeste. Mit jeder Missstimmung, die in eurer Ehe aufkommen könnte, musst du sehr umsichtig und einfühlsam umgehen.“
Aus verträumten Augen sah Celeste ihre Mutter an. „Meinst du, wir werden je Missstimmung haben?“
„Meine Kleine, das ist unvermeidlich. Und wenn ihr euch noch so liebt, es wird nicht ausbleiben.“
„Hattest du schon je Missstimmung mit dem vollkommenen Gentleman, Herrn Dr. George Avestone?!“
Mit einem Schmunzeln musterte Anna ihre Tochter. „Was denkst du, mein Küken?“
Celeste seufzte. „Ja, Mama, ich will deinen Rat beherzigen.“
„Schreibe mir regelmäßig, Celli! Berichte mir, wenn dich Kummer bedrückt, und gib früh genug Bescheid, wenn euer erstes Kind zur Welt kommen will.“
„Das tue ich, liebste Mama! Dann kommst du geschwinde angereist, um mir beizustehen.“
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